Richtungscoach und Wegbegleiter

Bild - Männergruppe

Seelische Männergesundheit

Wenn ich über Männergesundheit spreche, so geht es mir im Wesentlichen um die seelische Gesundheit von Männer. Ich bin überzeugt, dass eine ausgeglichene Seele die Grundlage für eine umfängliche Gesundheit des Menschen ist. Gerade bei Männern aber sieht es um die seelische Gesundheit beunruhigend aus.

Viele Männer können mit Begriffen wie „Seele“ und „Geist“ nichts anfangen. Auch „Bedürfnisse“ gehören in das Reich des vermiedenen Sprachrepertoires. Ein Kollege sagte während einer Diskussion einmal zu mir: „Sprich gegenüber Männern nicht von Bedürfnissen. Kein Mann will sich bedürftig fühlen.“ So sehr ich davon überzeugt war, dass er mit dieser Aussage ein wenig übertreibt, so überzeugt bin ich heute davon, dass es tatsächlich Dinge gibt, über die „Mann“ nicht spricht. Dinge, die nicht Teil seiner Wahrnehmung sind.

Wir Männer stehen auch heute noch in einem ständigen Kampf mit der Umwelt. Die Gesellschaft mag glauben, dass das Bild vom „starken Mann“ längst der Vergangenheit angehört, aber das Gegenteil ist der Fall. Noch immer werden in der Menge die gleichen klischeehaften Anforderungen an das Mannsein gestellt wie schon seit Generationen und den Generationen zuvor. „Männlichkeit“ wird im Begriff fast unwillkürlich gepaart mit „Stärke“, „Mut“, „Durchsetzungskraft“, „Ausdauer“ und ähnlichen Begriffen. Da hat uns Männern alle Emanzipation nichts geholfen. Es mag einzelne Familien oder Gruppen geben, in denen diese Parameter nicht von Bedeutung sind. Aber im Gros unserer Gesellschaft sind sie weiterhin von Bedeutung und zeigen ihre Wirkung.

Gesundheitliche Auswirkungen des Gesellschaftsbildes

Die meisten Männer stehen im Spannungsfeld der Folgen ihrer eigenen Sozialisation, die stärker geprägt ist von der Abgrenzung zur präsenten Mutter denn von der Orientierung an einem (abwesenden) Vater. Daraus entwickelt sich ein labiles Selbstverständnis, das sich im Schwerpunkt an der eigenen Leistungsfähigkeit orientiert als an den Werten als Mensch. Wenn aber dieses (verschobene) Selbstbild und die Realität nicht mehr zusammenpassen, wenn der Mann eine gegebene Lebenssituation nicht über reine Leistung bewältigen kann, beginnt dieses Bild zu bröckeln und erzeugt Spannungen in der männlichen Psyche.

Rein statistisch werden bei Männern seltener Depressionen diagnostiziert als bei Frauen. Das liegt zu einem Teil daran, dass Männer häufig nicht zu einem Arzt oder Berater gehen, wenn sie spüren, dass bei ihnen etwas beginnt, anders zu laufen. Sie holen sich dann auch keinen Rat bei anderen Menschen, weil sie fürchten, als schwach eingestuft zu werden. Wenn Männer also lustlos werden und ihnen der Antrieb zu fehlen beginnt, dann lassen sie ihre Umwelt das zunächst in völliger Selbstverleugnung nicht spüren.

Wird das Aufrechterhalten der Fassade zu anstregend, beginnen Männer mit Kompensationshandlungen. Zu solchen gehören Alkoholmissbrauch, im schweren Fall auch Drogen, und das zunehmende Ausleben von Aggressionen, die sie bislang gegen sich selbst gerichtet haben, die nun aber ein Ventil nach außen brauchen. Ist es soweit, dass nichts anderes mehr hilft, stellt sich der Mann dann hoffentlich einem Mediziner vor.

Diagnostiziert dieser jedoch nach Schulbuch (genauer gesagt nach „Kriterienkatalog“ a la ICD-10), wird er bestenfalls den Alkoholmissbrauch erkennen, den Drogenmissbrauch oder aber auch eine Persönlichkeitsstörung. Aber die Kriterien für eine Depression erfüllen Männer häufig nicht, da diese Kriterien typische weibliche Ausdrucksformen sind: Müdigkeit, Lustlosigkeit, Verlust des Antriebs usw.

Bild - Mann in Sorgen

Bild: magann

Wenn kein anderer Ausweg zu sehen ist…

Für Männer führen nicht-diagnostizierte Depressionen nicht selten in den Suizid. Über 10.000 Menschen haben sich in Deutschland im Jahr 2015 das Leben genommen. Fast 74% davon waren Männer. Über die Hälfte dieser Männer war zwischen 40 und 65 Jahre alt, also im „besten Mannesalter“. Nun verbietet sich die Herleitung eines grundsätzlichen kausalen Zusammenhanges zwischen den Suizidtoten und möglichen psychischen Störungen. Dennoch kann man davon ausgehen, dass einer überwiegenden Anzahl von Suiziden zumindest eine psychische Krise voran geht, die grundsätzlich therapierbar ist.

„Therapie“ ist aber auch so ein Begriff, der nicht nur die Männer erschaudern lässt. Wenn sich Menschen ratsuchend bei mir vorstellen, wird häufig gefragt, ob das hier denn nun eine Therapie sei und man wolle nur gleich sagen, man sei auf keinen Fall „verrückt“. Dabei geht es bei vielen Problemen, die uns – also auch uns Männern – das Leben schwer machen, gar nicht um psychische Störungen im Sinne einer Krankheit. Es handelt sich häufig um schwerwiegende Lebenskrisen oder -phasen. Zwar haben diese das Potential, krank zu machen, wenn sie unbeachtet und unbehandelt bleiben, aber sie sind mit Hilfe eines guten Coaches häufig gut in den Griff zu bekommen. Dabei wird i.d.R. deutlich weniger Zeit benötigt als wenn sich eine solche Krise erst einmal verfestigt hat. Hier gilt also die Prämisse „Prävention vor Heilung“.

Dass wir Männer uns aber in unserem Denken zwischen Stolz, Status und Stigma (und einer gewissen Sturheit) davor drücken, ja manchmal sogar fürchten, Hilfe anzunehmen, ist damit ein Problem unserer gesamten Gesellschaft. „Es muss“, wie mein Freund Uwe Haucke sagt, „endlich möglich sein, über Depressionen genauso offen zu sprechen, wie über Krebs.“

Wir brauchen einen offenen Umgang mit der Tatsache, dass das heutige Männerbild nicht dem Bild eines verletzlichen Menschen entspricht. Wir müssen erkennen, dass Männer – wie Frauen – in einer Welt überleben müssen, die sie in Tempo und Lautstärke überfordert. Wir brauchen ein neues Verständnis von Ruhe und Langsamkeit in unserem Leben, damit wir unserem Geist die Chance geben, nachzukommen.

Jeder Mensch kommt an seine Grenzen

Unsere Gehirne sind zwar in höchstem Maße leistungsfähig, aber eben in ihrer Kapazität doch auch schnell mal an ihre Grenzen gebracht. Wir müssen anerkennen, dass es eine Seele gibt, die in uns wirkt und gesehen, beachtet und berücksichtigt werden will.

Diese Gedanken haben nichts mit „Schwäche“ zu tun. Das ist eine blödsinnige Wertzuweisung, der jede Rechtfertigung fehlt. Dieses Denken hat mit Vernunft zu tun und der Anerkennung, dass jeder Mensch unperfekt ist, seine Grenzen hat und nicht beliebig über diese hinaus arbeiten kann. Hier liegen für Politik und Wirtschaft große Aufgaben, die sich primär beschäftigen müssen mit der Neujustierung dessen, was uns Menschen im Leben wichtig und teuer sein soll.

Jeder kommt einmal an einen solchen Punkt, wo er spürt, dass etwas nicht mehr stimmt, dass einige Dinge aus der Kontrolle geraten. Dann brauchen wir den Mut, uns einzugestehen, dass wir alleine von hier aus nicht mehr weiter kommen. Wer an diesem Punkt das Gespräch sucht, hat alle Möglichkeiten in der Hand, das Beste aus der Situation zu machen. Dazu muss u.U. gar nicht viel passieren. Aber dieser eine Schritt will getan sein – und dieser kostet bereits Mut.

Mein Angebot an Sie

Wir können an dieser Stelle einen Anfang machen. Wenn Sie das Gefühl haben, dass es vielleicht einmal ganz gut ist, nur mit jemandem zu sprechen, der völlig außerhalb ihrer sonstige sozialen Kontakte steht, dann sprechen Sie mich gerne an oder sichern Sie sich gleich einen Termin für eine erste Kontaktaufnahme.

Bild: sezer66

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